Erfolg in dynamischen Zeiten: Wie können Sie die Herausforderungen der VUCA-Welt meistern?
von Nils Boeffel | März 3, 2020
Wie oft haben Sie sich gefragt, was in letzter Zeit in der (Geschäfts-) Welt los ist? Trends, Märkte und Kunden verändern sich immer schneller, Technologien entwickeln sich rasant und im Allgemeinen wird die Entscheidungsfindung aufgrund der Menge an zu berücksichtigenden Informationen immer komplizierter.
VUCA – Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit) ist unumgänglich geworden – das ist die Welt von heute, und es sieht nicht so aus, als würde sie sich in Zukunft verlangsamen oder stabilisieren. Die Frage ist wie man damit umgeht und Entscheidungen in einem dynamischen Umfeld trifft.
Sie können die VUCA-Welt, in der wir leben, meistern, wenn Sie jedes Element von VUCA einzeln betrachten. Jedes hat seine eigenen spezifischen Herausforderungen, aber die Methoden für den Umgang mit ihnen sind nicht neu – sie müssen nur in einem anderen Kontext verwendet werden. So reagieren Sie auf VUCA-Herausforderungen:
- Volatilität → Vision
- Unsicherheit → Überblick
- Komplexität → Klarheit
- Mehrdeutigkeit → Aktivität
Sehen wir uns die vier Bereiche im Detail an und wie man damit umgeht:
1. Bewältigung der Volatilität durch Fokus auf Vision
Um sich zu orientieren, ist eine klare Vision notwendig. Zur Erinnerung: Eine Vision ist eine kurze Aussage über das langfristige Hauptziel, das die Organisation erreichen möchte; sie soll dem Unternehmen die Richtung vorgeben und die Mitarbeiter motivieren. Ihre Unternehmensvision ist ein Bild Ihrer Organisation, das den Zielzustand zeigt, den Sie mit Ihrem Unternehmen erreichen möchten, und warum Sie glauben, dass es ein lohnendes Ziel ist.
Es ist wichtig, eine Vision zu haben, um die Veränderungen in der Welt um Sie herum aus dem richtigen Blickwinkel zu sehen. Was bedeutet die Veränderung für die Welt? Was bedeutet sie für meine Organisation? Wie wirkt sie sich auf meine Vision aus? Kann ich sie trotzdem erreichen? Muss ich verändern, wie ich vorgehe, und wie werde ich meine Vision erreichen?
Wenn Sie die Veränderungen in den Kontext Ihrer Vision stellen, können Sie deren Auswirkungen verstehen und beurteilen, ob Sie auf die Änderungen reagieren müssen oder nicht.
Volatilitätsfragen
Um in volatilen Situationen (re)agieren zu können, müssen Sie die Veränderungen und die tatsächlichen Auswirkungen, die sie auf Ihr Unternehmen und die Branche insgesamt haben, genauer untersuchen und verstehen.
2. Der Unsicherheit mit Überblick begegnen
Wer nicht plant, plant bereits den Misserfolg, könnte man sagen, aber manchmal kann selbst die detaillierteste Planung ein Problem nicht lösen oder Ihnen helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Die Entscheidungsfindung unter unsicheren Umständen ist schwierig, keine Frage. Wie können Sie die bestmögliche Entscheidung treffen, wenn die Dinge unklar sind, aber eine Entscheidung notwendig ist?
Szenarioplanung
Das ist eine Möglichkeit, mit Unsicherheit umzugehen: Szenarioplanung. Identifizieren und sammeln Sie zuerst alle Annahmen, die Sie für Ihre Planung treffen. Dann analysieren Sie die kritischsten und unsichersten davon. Definieren Sie zwei oder drei mögliche Ergebnisse für jede dieser Annahmen. Nun können Sie darauf basierend verschiedene Szenarien analysieren und durchdenken.
Im Wesentlichen funktioniert die Szenarioplanung wie folgt:
- Identifizieren Sie alle Annahmen, auf denen Ihre Entscheidung basiert
- Analysieren Sie die kritischsten und unsichersten Annahmen
- Definieren Sie 2-3 mögliche Ergebnisse für jede dieser Annahmen
- Analysieren und durchdenken Sie verschiedene Szenarien basierend darauf
Je mehr Unsicherheit Sie haben, desto mehr hilft Ihnen diese Methode. Es gibt viele Ressourcen wie Bücher und Artikel zur Szenarioplanung, die Ihnen weiterhelfen können. "Scenarios: The Art of Strategic Conversation" von Kees van der Heijden ist einer der Klassiker für die Grundlagen.
3. Komplexität in Klarheit verwandeln
Wenn ein Sachverhalt zu komplex ist, helfen Pläne auch nicht weiter, da diese nicht alle Faktoren bewältigen können, die berücksichtigt werden müssen. Wie treffen Sie in einer komplexen Situation die richtigen Entscheidungen?
Die erste Frage, die Sie sich stellen müssen, ist, ob die Situation kompliziert oder komplex ist. Die beiden Wörter scheinen zunächst eine ähnliche Bedeutung zu haben, aber in Wirklichkeit sind sie sehr unterschiedlich.
Kompliziert vs. komplex
Etwas Kompliziertes ist nicht einfach, sondern vielschichtig. Nehmen Sie zum Beispiel ein Formel-1-Auto. Ist das etwas, das Sie selbst zusammenbauen könnten? Anfangs denken Sie vielleicht nein, aber mit etwas Wissen, den richtigen Werkzeugen, genügend Zeit und einem ausreichend detaillierten Plan wären Sie wahrscheinlich in der Lage, dies zu tun. Dies ist ein kompliziertes Problem, das mit genügend Ressourcen und Planung gelöst werden kann.
Etwas Komplexes ist etwas ganz anderes. Etwas Komplexes hat viele miteinander verbundene Teile. In einem organisatorischen Kontext kann Komplexität beispielsweise als ein Netzwerk von Zielen, Organisationseinheiten, Prozessen und anderen Teilen eines Unternehmens betrachtet werden, die nebeneinander arbeiten und sich in einem dynamischen Umfeld kontinuierlich gegenseitig beeinflussen. Grundsätzlich passieren viele Dinge gleichzeitig in einer Umgebung, die sich ebenfalls ändert.
Diese Komplexität kann nicht einfach mit Ressourcen und Planung bewältigt werden. Ein anderes Toolkit und eine andere Denkweise sind erforderlich, um die Komplexität anzugehen.
Komplexität mit Zielen und Rollen lösen
Das Problem bei der Komplexität ist, dass Sie (oder jemand anderer) nicht die gesamte Situation verstehen können, um "einen Ausweg daraus planen" zu können. Wie lösen Sie diese Situation? Richten Sie ein Kompetenznetzwerk in Ihrer Organisation ein. Dies erfordert zwei wichtige Dinge: klare Ziele und klar definierte Rollen.
Klare Ziele
Definieren Sie klare Ziele. Stellen Sie sicher, dass Sie und der Rest Ihrer Organisation genau verstehen, welches Ziel erreicht werden soll, und auch verstehen, warum dieses Ziel verfolgt wird. Machen Sie diese Ziele SMART.
Gut definierte Rolle
Machen Sie sich zunächst einmal den Unterschied zwischen einer "Rolle" und einer "Position" klar. Der Unterschied ist erheblich, da eine Position eine passive Beschreibung eines Standortes innerhalb einer Organisation ist, eine Rolle aber eine Aktivität bei der Erreichung eines Ziels beschreibt.
Eine Position ist im Wesentlichen ein Jobtitel ("Leiter von XYZ"), der sich darauf bezieht, wo auf einem Organigramm sich jemand befindet, an wen er berichtet und welchen Verantwortungsbereich er hat. Der Fokus ist auf Organisationsstruktur und Hierarchie und zeigt die Kommunikationskanäle für diese Position.
Eine Rolle ist eine aktive Beschreibung dessen, was jemand tut, um ein Ziel zu erreichen. Verschiedene Personen können in einem Projekt dieselbe Rolle haben; sie beschreibt, was man tut, nicht wo man sich befindet.
Klarheit erreichen
Ziele und Rollen sind sehr wichtig für das Finden von Klarheit in einer komplexen Situation, da sie definieren, wofür jeder verantwortlich ist. Die Ziele und Rollen selbst sollten zusammen ein vollständiges Bild davon zeichnen, welche Schlüsselbereiche in komplexen Situationen adressiert werden müssen, wie sie adressiert werden sollen und wer für den Erfolg verantwortlich ist.
Sobald alle Ziele und Rollen definiert sind, wird klar, welche Bereiche abgedeckt sind und wo (wenn überhaupt) Lücken vorhanden sind. Es macht auch die Suche nach Ineffizienzen viel einfacher, da Überschneidungen in Rollen nun sichtbar werden.
4. Auf Mehrdeutigkeit mit Aktivität reagieren
Es mag zunächst kontraintuitiv klingen, aber wenn man sich mit Mehrdeutigkeit konfrontiert sieht, ist es am besten, zu handeln. Warum ist das so?
Wenn es Unklarheit gibt und die Situation mehrdeutig ist, wissen Sie nicht wirklich, was passieren wird. Wenn Sie in dieser Situation versuchen zu planen, werden Sie enorme Mengen an Ressourcen (Zeit) aufwenden, ohne jemals zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen. Planung allein wird es nicht bringen.
Wenn Sie in einer unklaren Situation etwas unternehmen, erhalten Sie häufig Informationen darüber, wie die Welt auf Ihr Handeln reagiert. Sie erhalten Datenpunkte, die Ihnen helfen können, Ihre Strategie anzupassen und zu ändern, und Ihnen ermöglichen zu planen und gezieltere Massnahmen zu ergreifen.
Verwenden Sie agile Methoden, um VUCA entgegenzuwirken
Da "die einzige Konstante die Veränderung ist", was insbesondere in der VUCA-Welt gilt, ist Agilität eine Schlüsselkompetenz, um effektiv damit umgehen zu können. Verstehen Sie agile Prinzipien und setzen Sie agile Methoden in Ihrem Unternehmen ein, um flexibler und gleichzeitig resilienter zu werden.
Vor allen Dingen müssen Sie Ihren Markt, Ihr Wettbewerbsumfeld und Ihre Kunden verstehen – denken Sie an die "Customer Journey" – und legen Sie Ihre Prioritäten entsprechend den dringendsten Geschäftsanforderungen fest. Schliesslich bedeutet Strategie auch zu entscheiden, in was Ressourcen nicht investiert werden sollen!
Die aktuelle VUCA-Welt ist unumgänglich, aber Sie haben jetzt Möglichkeiten, sie zu adressieren und Ihr Unternehmen dabei anzuleiten, die Situation erfolgreich zu meistern.